Was man nicht alles in öffentlichen Verkehrsmitteln aufschnappt wenn man grad mal nicht die Stöpsel mit Musik in den Ohren hat:
Eines Mittags war ich mit dem Tram entlang der Zürcher Bahnhofstrasse unterwegs, als an der Börsenstrasse mehrere Bänker-Typen (ich vermute ZKB) einsteigen. Zwei Herren und eine Frau, alle drei schick im Business-Dress. Und als die drei so neben mir stehen plaudern Sie in einer Lautstärke über diverse Themen. Zuerst über Bank-Interna und Kunden.
Irgendwann gelangen die drei zum Thema Kinder: Dabei bringt es die ca. 25 jährige, braungebrannte Bank-Trulla mit leicht asiatischem Touch zu folgendem Satz: “Ich schicke meine Kinder so oder so ins Internat. Und nach 18 Jahren schau ich dann mal, was aus ihnen geworden ist, entweder nehm ich sie dann mit oder lass sie gleich dort.”.
WAS?
Ich schüttle nur meinen Kopf doch sie nimmt es natürlich nicht wahr.
Als ich dann eine gute Woche später wieder in Zürich unterwegs bin (diesmal mit dem 13er in Richtung Credit Suisse Hauptsitz neben dem Sihlcity), steigen an der Bahnhofstrasse einige junge Menschen im Business-Dress ein. Sie scheinen den verschiedenen Dialekten nach nicht aus Zürich zu kommen. Während der Fahrt lausche ich auch ihren Erzählungen. Daraus was ich da so höre, zeichnet sich ein Bild einer (übrigens fast bei jedem Halt grösser werdenden) Gruppe von Jung-Bänkern, welche gerade ein Training/Assessment/Whatever bei ihrem zukünftigen Arbeitgeber CS durchmachen.
Das grösse Problem, was diese jungen Leute offenbar gerade haben, ist, dass einzelne von ihnen am nächsten Tag erst auf 13 Uhr zu erscheinen haben – andere aber den ganzen Tag über (ab 8 Uhr um genau zu sein) dort sein müssen.
Welch Ungerechtigkeit…
Und solche Leute hantieren daraufhin mit riesigen Mengen von Geld? Da wundere ich mich nicht, dass ab und zu was schief läuft. Sorry liebe Banken, aber wäre es in dieser Zeit, in welcher ihr eh schon einen leicht angebeulten Ruf habt nicht sinnvoll, die noch resp. bald-Mitarbeiter darauf zu sensibilisieren, dass ihre Äusserungen in der Öffentlichkeit auch für den Arbeitgeber subobtimal sein könnten?
Die Leute geben in den Bahnhöfen und Zügen sehr oft solche Dinge von sich preis. Du würdest dich wundern, was ich bei meiner Arbeit so alles sehe und höre!
Zum Beispiel ist es auch immer wieder spannend als auch erschreckend, wie oft man auf den Laptop-Bildschirmen Dinge (Interna) sieht, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt wären…